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Frauen werden in ihrer Entwicklung durch biologischen
Faktoren (Gene, Hormone), durch geschlechtsspezifische, kulturell
vorgegebene psychosoziale Faktoren (Erziehung, Aufgabenbereich,
soziales Netz) und durch die Umwelt geprägt. Daraus ergeben
sich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Inzidenz und Verlauf
von bestimmten Krankheiten, im Risikoprofil und in der Mortalität.
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Bis zum 15. Lebensjahr überwiegen Unfälle
und Gewalt als primäre Todesursache. An chronischen Erkrankungen
dominieren v.a. Autoimmunerkrankungen, die nicht selten im Rahmen
der Pubertät hormonell getriggert werden.
Vom 15. bis zum 64. Lebensjahr steigt mit zunehmendem
Alter die Inzidenz des Mammacarzinoms, gefolgt von der koronaren
Herzkrankheit. Infolge des zunehmenden Nikotinkonsums kam es innerhalb
der letzten Jahrzehnte zu einem drastischen Anstieg des Lungencarzinoms
bei Frauen. Bei den chronischen Erkrankungen dominieren die Autoimmunerkrankungen.
In dieser Zeit werden jedoch jene Risikofaktoren (Adipositas, körperliche
(In)Aktivität, Nikotinabusus, Hyperlipidämie, Hypertonie)
ausgebildet, welche die Häufigkeit und Geschwindigkeit der
Entwicklung von späteren Krankheiten (KHK, Insult, Diabetes)
festlegen.
Nach dem 65. Lebensjahr dominiert nach Wegfall
der protektiven Östrogene die Koronare Herzkrankheit als primäre
Todesursache, gefolgt von Lungencarzinom und zerebrovaskulären
Krankheiten. An chronischen Erkrankungen entwickeln sich Hypertonie,
Diabetes, Osteoporose, Arthritis, Verdauungsprobleme, Schilddrüsenerkrankungen,
Inkontinenz, neurologisch degenerative Erkrankungen, Schlafstörungen.
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Kardiovaskuläre Erkrankungen
Das Mortalitätsrisiko ist in der Prämenopause bis zu 50%
geringer als in Männern, steigt
jedoch in der Postmenopause an und erreicht bei etwa 75 Jahren das
Risiko der Männer. Aus diesem Risikounterschied ergibt sich
auch die längere Lebenserwartung der Frauen. Wenn Frauen eine
Myokardinfarkt erleiden, so ist die Komplikationsrate und die Mortalität
infolge des höheren Alters und der Begleiterkrankungen höher
als bei Männern. Eine Revaskularisation wird aus diesen Gründen
bei Frauen seltener durchgeführt.
Malignome
Die Todesursache Nummer 1 infolge von Malignomen ist das Lungencarzinom.
Die
Inzidenz hat während der letzten 4 Jahrzehnte infolge des steigenden
Tabakkonsums um 550% zugenommen. Todesursache Nummer 2 ist das Mammacarzinom.
Die Inzidenz stieg während der letzten Jahre infolge früherer
Diagnose infolge von screening an, die Mortalität blieb jedoch
gleich. An dritter Stelle folgt das Coloncarzinom und an vierter
Stelle das Ovarialcarzinom.
Pulmonale Erkrankungen
Die Inzidenz von Asthma steigt bei Frauen erst nach der Pubertät
an. Östrogene scheinen
den Verlauf zu verschlechtern. Nikotinabusus interferiert bei Mädchen
stärker mit der Entwicklung der Lungenfunktion und scheint
früher zu einem Lungenemphysem zu führen. Östrogene
scheinen weiters den Metabolismus der Carzinogene zu verzögern
und die Wachstumseigenschaften des Tumors zu verstärken. Frauen
entwickeln häufiger eine kleinzelliges Lungenkarzinom.
Gastrointestinale Erkrankungen
Das Reizdarmsyndrom tritt 2-3x häufiger in Frauen auf.
Die Ursache ist unbekannt und die Symptome sind am ehesten Folge
einer veränderten Darmmotilität. Colitis ulcerosa und
M. Crohn treten ebenfalls häufiger in Frauen auf und sind ein
Risikofaktor für die Entwicklung eines Coloncarzinoms.
Hepatobiliäre Erkrankungen
Gallensteine treten 2x häufiger bei Frauen auf. Das Risiko
wird durch Östrogene und
Adipositas erhöht. Autoimmunerkrankungen der Leber wie die
primäre biliäre Zirrhose und die Autoimmunhepatitis kommen
bis zu 80% in Frauen vor. Ursachen der geschlechtsspezifischen Verteilung
dieser und auch anderer Autoimmunerkrankungen ist noch unklar.
Rheumatische Erkrankungen
Osteoporose tritt v.a. bei Frauen in der Postmenopause auf und
ist infolge der Frakturgefahr ein wichtiger Faktor für die
Morbidität und Mortalität von Frauen über 65. Autoimmunerkrankungen
mit deutlicher weiblicher Prädilektion sind der systemische
Lupus erythematodes, die rheumatoide Arthritis, die Fibromyalgie,
die Polymyalgia rheumatica und das Sjögren Syndrom.
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