Aus der Sicht der Apothekerin
  Das Projekt - Themenübersicht - Frauengesundheit - Klimakterium
 
Möglichkeiten der alternativen Behandlung vegetativer Beschwerden im Klimakterium

Mag.pharm. Maria Anna Bankl
Apothekerin, Wien

 

"Das Klimakterium ist keine Krankheit", schreibt Verena Kast, Schweizer Psychotherapeutin, in ihrem Aufsatz "Wechseljahre- Wandeljahre"," kein Defekt, aber auch kein rauschender Aufbruch.(...) Wünschenswert wäre eine Beschäftigung mit diesem Lebensübergang jenseits von Idealisierung und Entwertung, die ja beide Ausdruck von Irritation sind, Ausdruck eines noch nicht wirklich Akzeptierenkönnens.1

Im Alltag der öffentlichen Apotheke ist die Apothekerin tagtäglich mit Anfragen bezüglich der Behandlung von Hitzewallungen, innerer Unruhe und Schlaflosigkeit im Zusammenhang mit dem Klimakterium konfrontiert. Oft ist die Kundin/Patientin aus verschiedenen Gründen nicht bereit Hormonersatztherapie anzuwenden oder darf dies aus medizinischer Sicht nicht tun.

Die Möglichkeiten der alternativen Behandlung bestehen im wesentlichen aus pflanzlichen Extrakten, homöopathischen Zubereitungen und Nahrungsergänzungsmittel.


1. Arzneimittel pflanzlicher Herkunft
Der einzige in Österreich mit der Indikation "klimakterische Beschwerden" registrierte Wirkstoff pflanzlicher Herkunft ist der Extrakt von Cimicifuga racemosa (Schlangenwurz), der in folgenden Arzneispezialitäten enthalten ist:

Agnukliman-Tabletten
1Tablette enthält 26,64 mg Extr. Cimicifuga e.rad.sicca.spez. (entsprechend 150 mg getrockneter Wurzel in Standardqualität)
Agnukliman-Tropfen
Alkoholischer Auszug (ca. 58 Gew.-%) aus Rad. Cimicifuga
(100g Agnukliman entsprechend 20g getrockneter Wurzel in Standardqualität)
Remifemin-Tabletten
1 Tablette enthält 0,018-0,026 ml Flüssigextrakt aus Cimicifuga Wurzelstock (0,78-1,4:1 entsprechend 20 mg Droge)

Die Wirkung der Cimicifuga Zubereitungen tritt nicht sofort ein. Erste therapeutische Effekte zeigen sich nach 2 Wochen Behandlung. Da sich die Behandlungsergebnisse bei längerer Anwendung noch verbessern, sollte Reminfemin über einen längeren Zeitraum angewendet werden, jedoch ohne ärztlichen Rat nicht länger als 6 Monate.
Die Inhaltsstoffe der Droge zeigen experimentell eine Bindung an Östrogenrezeptoren, führen jedoch zu keinen uterotropen bzw. vaginotropen Effekten im Sinne einer östrogenen Wirkung. Auch das Wachstum östrogenabhängiger Mamma-Tumorzellen wird weder in vivo noch in vitro durch den Remifemin-Extrakt gefördert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß es sich nicht um eine hormonanaloge Wirkung handelt. 2


2.Homöopathische Mittel
Die Wahl des Arzneimittels richtet sich nach den sogenannten "Modalitäten", hier bezogen auf vegetative Beschwerden:

Cimicifuga racemosa:
Rascher Wechsel der psychischen und physischen Beschwerden
Depressive Stimmung mit Niedergeschlagenheit, Seufzen, Weinen, Angst und Verzweiflung.
Lachesis muta:
Starke Hitzewallungen mit purpurrotem oder violettem Gesicht, klopfende oder pulsierende Kopfschmerzen. Beengungsgefühl, besonders am Hals.
Pulsatilla pratensis:
Wechselhaftigkeit der psychischen und physischen Beschwerden bezüglich Intensität und Lokalisation: Neigung zum Weinen aber auch Reizbarkeit.
Sepia:
Hitzewallungen mit Unverträglichkeit von Kleiderdruck am Hals. Hitze abwechselnd mit Kälte, besonders der Extremitäten. Migräne. Große Reizbarkeit, Wutausbrüche, launenhaftes Wesen. 3


3.Nahrungsergänzung
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit beruht auf der Erkenntnis, daß Hitzewallungen bei asiatischen Frauen signifikant weniger häufig auftreten als bei Frauen westlicher Nationen. Dieser Umstand wird auf die sojareiche Ernährung mit den darin reichlich enthaltenen Isoflavonen zurückgeführt. Forschungen haben ergeben, daß auch Rotklee reich an diesen Inhaltsstoffen ist. Internationale Studien belegen, daß Isoflavone die Häufigkeit der Hitzewallungen reduzieren können. 4

Es befinden sich zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt, die Isoflavone aus der Sojabohne bzw dem Rotklee enthalten.


4.Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Wesentlich ist, meines Erachtens, die psychische Komponente der Beschwerden mitzubedenken:
Verena Kast, Schweizer Psychotherapeutin, schreibt in ihrem Buch "Sich wandeln und sich neu entdecken" über das Klimakterium: "Als typische körperliche Beschwerden gelten Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schwindelzustände, Atemnot, Herzklopfen, Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. Betrachtet man diese Symptome mit dem Blick der Psychologin, dann fällt auf, daß alle diese Symptome auch Angstsymptome sind." 5 Dementsprechend empfehlen sich für Patientinnen mit vegetativen Beschwerden, seien sie klimakterisch oder anders bedingt, immer auch Entspannungsübungen, wie z.B Autogenes Training, Ausdauersportarten und bei schwerwiegenden Problemen auch Psychotherapie.


Abschließend möchte ich noch Susan Love, amerikanische Chirurgin, Forscherin, Lehrerin, Autorin zitieren: Es hängt davon ab, wie man etwas sieht. Wenn man die Menopause als eine Östrogenmangelkrankheit und als Versagen der Eierstöcke sieht, nimmt man am Ende Medikamente. Man kann dieses geistige Bild aber auch verändern. Es gibt zahlreiche Beispiele für Frauen, die nach der Menopause eine mächtige Position innehatten bzw innehaben wie Margaret Mead, Indira Gandhi, Margaret Thatcher, Golda Meir und Madeleine Albright. Auf der anderen Seite gibt es viele junge Mädchen, die sehr selbstbewußt sind und dieses Selbstbewußtsein plötzlich verlieren, wenn sie in die Pubertät kommen. Vielleicht brauchen wir Östrogen, um häuslich und fortpflanzungswillig zu werden, damit die Menschheit nicht ausstirbt, und dann befreit uns die Menopause davon und wir werden wieder die selbstbewußte 8jährige, die wir einst waren. 6


1 Kast V.(1996)Sich wandeln und sich neu entdecken S. 112
2 Austria Codex 2001-2002 S. 140-141,4033-4034
3 Wiesenauer M.(2001) Homöopathie für Ärzte und Apotheker S. 2/88-50-52
4 ÖAZ 15.10.2001 S. 1004
5 Kast V.(1996)Sich wandeln und sich neu entdecken S. 119
6 BALANCE Ausgabe Feb 1998 S 21 (Deutsch Apothekerverlag )

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