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"Das Klimakterium ist keine Krankheit",
schreibt Verena Kast, Schweizer Psychotherapeutin, in ihrem Aufsatz
"Wechseljahre- Wandeljahre"," kein Defekt, aber auch
kein rauschender Aufbruch.(...) Wünschenswert wäre eine
Beschäftigung mit diesem Lebensübergang jenseits von Idealisierung
und Entwertung, die ja beide Ausdruck von Irritation sind, Ausdruck
eines noch nicht wirklich Akzeptierenkönnens.1
Im Alltag der öffentlichen Apotheke ist die Apothekerin tagtäglich
mit Anfragen bezüglich der Behandlung von Hitzewallungen, innerer
Unruhe und Schlaflosigkeit im Zusammenhang mit dem Klimakterium
konfrontiert. Oft ist die Kundin/Patientin aus verschiedenen Gründen
nicht bereit Hormonersatztherapie anzuwenden oder darf dies aus
medizinischer Sicht nicht tun.
Die Möglichkeiten der alternativen Behandlung bestehen im wesentlichen
aus pflanzlichen Extrakten, homöopathischen Zubereitungen und
Nahrungsergänzungsmittel.
1. Arzneimittel pflanzlicher Herkunft
Der einzige in Österreich mit der Indikation "klimakterische
Beschwerden" registrierte Wirkstoff pflanzlicher Herkunft ist
der Extrakt von Cimicifuga racemosa (Schlangenwurz), der in folgenden
Arzneispezialitäten enthalten ist:
Agnukliman-Tabletten
1Tablette enthält 26,64 mg Extr. Cimicifuga e.rad.sicca.spez.
(entsprechend 150 mg getrockneter Wurzel in Standardqualität)
Agnukliman-Tropfen
Alkoholischer Auszug (ca. 58 Gew.-%) aus Rad. Cimicifuga
(100g Agnukliman entsprechend 20g getrockneter Wurzel in Standardqualität)
Remifemin-Tabletten
1 Tablette enthält 0,018-0,026 ml Flüssigextrakt aus Cimicifuga
Wurzelstock (0,78-1,4:1 entsprechend 20 mg Droge)
Die Wirkung der Cimicifuga Zubereitungen tritt nicht sofort ein.
Erste therapeutische Effekte zeigen sich nach 2 Wochen Behandlung.
Da sich die Behandlungsergebnisse bei längerer Anwendung noch
verbessern, sollte Reminfemin über einen längeren Zeitraum
angewendet werden, jedoch ohne ärztlichen Rat nicht länger
als 6 Monate.
Die Inhaltsstoffe der Droge zeigen experimentell eine Bindung an
Östrogenrezeptoren, führen jedoch zu keinen uterotropen
bzw. vaginotropen Effekten im Sinne einer östrogenen Wirkung.
Auch das Wachstum östrogenabhängiger Mamma-Tumorzellen
wird weder in vivo noch in vitro durch den Remifemin-Extrakt gefördert.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß es sich nicht um eine
hormonanaloge Wirkung handelt. 2
2.Homöopathische Mittel
Die Wahl des Arzneimittels richtet sich nach den sogenannten "Modalitäten",
hier bezogen auf vegetative Beschwerden:
Cimicifuga racemosa:
Rascher Wechsel der psychischen und physischen Beschwerden
Depressive Stimmung mit Niedergeschlagenheit, Seufzen, Weinen, Angst
und Verzweiflung.
Lachesis muta:
Starke Hitzewallungen mit purpurrotem oder violettem Gesicht, klopfende
oder pulsierende Kopfschmerzen. Beengungsgefühl, besonders
am Hals.
Pulsatilla pratensis:
Wechselhaftigkeit der psychischen und physischen Beschwerden bezüglich
Intensität und Lokalisation: Neigung zum Weinen aber auch Reizbarkeit.
Sepia:
Hitzewallungen mit Unverträglichkeit von Kleiderdruck am Hals.
Hitze abwechselnd mit Kälte, besonders der Extremitäten.
Migräne. Große Reizbarkeit, Wutausbrüche, launenhaftes
Wesen. 3
3.Nahrungsergänzung
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit beruht auf der Erkenntnis,
daß Hitzewallungen bei asiatischen Frauen signifikant weniger
häufig auftreten als bei Frauen westlicher Nationen. Dieser
Umstand wird auf die sojareiche Ernährung mit den darin reichlich
enthaltenen Isoflavonen zurückgeführt. Forschungen haben
ergeben, daß auch Rotklee reich an diesen Inhaltsstoffen ist.
Internationale Studien belegen, daß Isoflavone die Häufigkeit
der Hitzewallungen reduzieren können.
4
Es befinden sich zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel auf dem
Markt, die Isoflavone aus der Sojabohne bzw dem Rotklee enthalten.
4.Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Wesentlich ist, meines Erachtens, die psychische Komponente der
Beschwerden mitzubedenken:
Verena Kast, Schweizer Psychotherapeutin, schreibt in ihrem Buch
"Sich wandeln und sich neu entdecken" über das Klimakterium:
"Als typische körperliche Beschwerden gelten Hitzewallungen,
Schweißausbrüche, Schwindelzustände, Atemnot, Herzklopfen,
Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. Betrachtet
man diese Symptome mit dem Blick der Psychologin, dann fällt
auf, daß alle diese Symptome auch Angstsymptome sind."
5 Dementsprechend empfehlen sich für
Patientinnen mit vegetativen Beschwerden, seien sie klimakterisch
oder anders bedingt, immer auch Entspannungsübungen, wie z.B
Autogenes Training, Ausdauersportarten und bei schwerwiegenden Problemen
auch Psychotherapie.
Abschließend möchte ich noch Susan Love, amerikanische
Chirurgin, Forscherin, Lehrerin, Autorin zitieren: Es hängt
davon ab, wie man etwas sieht. Wenn man die Menopause als eine Östrogenmangelkrankheit
und als Versagen der Eierstöcke sieht, nimmt man am Ende Medikamente.
Man kann dieses geistige Bild aber auch verändern. Es gibt
zahlreiche Beispiele für Frauen, die nach der Menopause eine
mächtige Position innehatten bzw innehaben wie Margaret Mead,
Indira Gandhi, Margaret Thatcher, Golda Meir und Madeleine Albright.
Auf der anderen Seite gibt es viele junge Mädchen, die sehr
selbstbewußt sind und dieses Selbstbewußtsein plötzlich
verlieren, wenn sie in die Pubertät kommen. Vielleicht brauchen
wir Östrogen, um häuslich und fortpflanzungswillig zu
werden, damit die Menschheit nicht ausstirbt, und dann befreit uns
die Menopause davon und wir werden wieder die selbstbewußte
8jährige, die wir einst waren. 6
1 Kast V.(1996)Sich wandeln und sich neu entdecken
S. 112
2 Austria Codex 2001-2002 S. 140-141,4033-4034
3 Wiesenauer M.(2001) Homöopathie für Ärzte und Apotheker
S. 2/88-50-52
4 ÖAZ 15.10.2001 S. 1004
5 Kast V.(1996)Sich wandeln und sich neu entdecken S. 119
6 BALANCE Ausgabe Feb 1998 S 21 (Deutsch Apothekerverlag )
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